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Costaricanische Korinthenkackerei

Posted by on 4. September 2013
Behörde

Der Blick vom Warteraum nach draußen. Die meiste Zeit blickten wir jedoch von außen durch die Gitter hinein.

Wie es tatsächlich gelaufen ist, hat Jan euch ja schon dargestellt. Der Plan war eigentlich:

9.00 Uhr Bus nach Liberia, 10.30 Ankunft in Liberia –> pünktlich bei der Migrationsbehörde, Zeug abgeben und gesagt bekommen was fehlt, dann wieder nach Hernández fahren.

Meine Frustration stieg schon mit jeder Minute, die zwischen 9 und 10.15 verging, linear an. Als wir dann endlich im Bus saßen, die Zeit verging und die Entfernung nach Liberia nicht abnahm, wurde mir langsam klar, dass wir wohl nicht in 1 1/2 Stunden ankommen würden, wie ich es im Internet gelesen hatte. Als wir uns dann endlich der Stadt näherten, wussten wir nicht, wo wir aussteigen müssen. Weil Veronica gesagt hatte, es kommt eine Brücke und dann ein Einkaufszentrum und dahinter auf der rechten Seite ist die Behörde, sind wir nach der ersten Brücke, die wir gesehen haben ausgestiegen. Außerdem dachte ich, ich hätte die Behörde aus dem Fenster gesehen, was sich aber als Irrtum erwies. Glücklicherweise war es trotzdem die richtige Haltestelle, an der wir ausgestiegen sind. Denn nachdem wir uns zum Mittag ein paar in Öl geröstete Brote und Bananen gekauft hatten, fragte ich einen Mann, der im Eingang eines Ladens mit seinem Kind stand, wo die “Migración” sei. Er wies in eine Richtung und sagte, es seien ca. 500 Meter. Also immerhin das hatten wir richtig gemacht. Die Behörde selbst war überhaupt nicht ausgeschildert. Zu ihr führte ein Trampelpfad und man konnte sie an dem Stacheldraht und den vor dem Haus wartenden Menschen erkennen. In der brütenden Hitze saßen und standen die Leute auf Plastikschalensitzen wie im Fußballstadion. Eine Reihe im Schatten am Zaun, eine unter einem Dach. Furchtlos betraten wir das Häuschen, mit dem Plan erstmal nachzufragen, was wir machen sollen. In dem vollgestopften aber klimatisierten Warteraum standen und saßen die Menschen wartend, während ein Fernseher im Hintergrund das Gemurmel verstärkte. Immer wieder riefen die Beamten Namen aus dem Fenster, worauf dann die entsprechenden Leute, freudig strahlend, dass sie endlich dran waren, rein kommen durften. Wir reihten uns erstmal schön ein, bis wir merkten, dass überhaupt nichts vor sich geht, sondern wer was will, sich möglichst zu dem Tresen bzw. Tisch durchdrängelt, an dem, wenn man Glück hat, ein Beamter sitzt. Ansonsten wurde einfach gewartet, bis sich einer auf dem Gang blicken ließ und der wurde dann belagert. Wenn er nett war, nahm er den Leuten ihre teilweise zerknautschten Scheine und Anträge ab. Als wir kapiert hatten, wie es läuft und uns endlich durchgedrungen hatten, erklärte uns der Beamte, dass diese Art von Anträgen (temporärer Aufenthalt) nur zwischen 8 und 12 entgegen genommen wird. In meiner bereits gestiegenen Frustration konnte ich das so nicht hinnehmen und versuchte dem Herren zu erklären, dass wir doch nur die Dokumente abgeben wollen. Daraufhin sagte er, dass das aber Teil der Beantragung sei. Ich versuchte ihn auch dadurch zu erweichen, dass wir 3 Stunden mit dem Bus nach Liberia fahren müssen und nicht jeden Tag kommen können. Er fragte woher wir kämen und als ich sagte Hernández, meinte er einfach, das kenne er nicht. Damit war die Sache erledigt. Seine Kollegin verwies dann noch auf den Zettel, auf dem das Antragsverfahren genau beschrieben ist – und der Kollege kreiste und den entsprechenden Punkt “zwischen 8 Uhr morgens und 12 Uhr mittags” ein.

Damit war der Tag gelaufen. Ich verlor fast den Verstand vor Wut, weil wir nun umsonst drei Stunden mit dem Bus gefahren waren, nun wahrscheinlich drei Stunden zurückfahren würden und am kommenden Tag das Ganze noch einmal probieren müssten. Dann überredete mich Jan, dass wir uns in ein Hotel einmieten um uns am nächsten Morgen pünktlich um 8 in die Schlange einzureihen. Ich protestierte erst, weil es mir viel zu teuer erschien, sah dann aber ein, dass wir uns wohl besser erholen könnten und größere Chancen hätten pünktlich zu sein, wenn wir für eine Nacht in ein nahe gelegenes Hotel zögen. Also nahmen wir das nächst beste an der Straße gelegene Hotel, welches für einen akzeptablen Preis eine angenehme Unterkunft bis zum nächsten Morgen bot. Nach dem einchecken kauften wir uns Kekse, Tortilla-Chips, Bananenchips (sehr lecker!), Zahnbürste, Zahnpaste und Wasser im gleichen Supermarkt wie zuvor und verbrachten den dann verregneten Nachmittag im Hotelzimmer, vorm Fernseher. Wir waren so erschöpft, dass mehr auch gar nicht ging. Ich hätte mich zwar gern in dem Pool abgekühlt, aber wir hatten natürlich keine Badesachen dabei. Aber immerhin blieb die Dusche.

Am nächsten Morgen reihten wir uns also um 7:30 Uhr in die Schlange vor der Behörde ein, wo bereits ca. 15 Menschen standen. Wir nutzten die Wartezeit, um uns mit Sonnenschutz einzucremen und sahen den Beamten beim Ankommen zu. Um 8:00 Uhr kam dann jemand zum Tor und das eingereihe erwies sich als vollkommen unnütz. Denn es wurden erstmal all diejenigen aufgerufen, die ein Reisepass brauchten. Dann wurden Anträge eingesammelt und es wurden natürlich keine Ausländer aufgerufen, die eine Aufenthaltsgenehmigung beantragen wollen. Einmal fragte ich eine Frau, was der Beamte gesagt hatte, woraufhin sie mich fragte, was unser Anliegen sei. Sie versuchte freundlicherweise die Beamten auf uns hinzuweisen. Der Mann vom Vortag erkannte uns und uns wurde Eintritt gewährt. Wir sollten aber draußen warten. Also warteten wir draußen und guckten ständig durchs vergitterte Fenster in den Warteraum, um zu sehen was dort passiert oder ob etwas passiert. Um 9.20 wurden wir dann schließlich rein gebeten und konnten endlich unsere Papiere vorlegen. Er guckte sich alles an und sagte schließlich, dass unsere Reisepasskopie nicht ausreicht, weil sie nicht das richtige Format hat und er es so nicht einheften kann (wir hatten unsere Pässe, um Papier zu sparen, zusammen kopiert und dann die A4 Blätter in der Mitte durchgeschnitten). Ich machte mich also auf dem Weg zum ausgewiesenen Kopier-Häuschen. Dort saß eine Frau, die mir sagte, dass ich in einer halben Stunde wiederkommen soll. Also ging ich zurück, um es Jan zu sagen. Da kam er mir schon entgegen und hatte unsere Anschreiben dabei, die wir noch einmal neu machen sollten, weil wir vor dem Beamten unterschreiben müssen und mit bereits getätigter Unterschrift das Schreiben nicht gültig sei. (Auch Durchstreichen akzeptierte er nicht.) Als wir dann vor dem Kopierhäuschen warteten und die Frau raus kam, abschließen wollte und uns sah, bat sie uns noch schnell herein – als wir aber sagten, wir wollten unsere Reisepässe kopiert haben, schickte sie uns zum Copy-Shop auf dem Plaza Santa Rosa, wo auch der Supermarkt war. Dort gingen wir also hin. Der Copy-Shop war gleichzeitig ein Internetcafé, in dem ca. 10 Schüler in Schuluniform saßen und alle möglichen Computerspiele spielten. Als der Mann aufgegeben hatte, den Pass so zu kopieren, dass auf eine Seite mehrere Pass-Seiten passen, bekamen wir also unsere verschwenderischen Kopien der gesamten Reisepässe.

Als wir diese sowie ein neues Anschreiben (per Hand, auf Karopapier) abgegeben und vor dem Beamten unterschrieben hatten, mussten wir wieder warten. Irgendwann kam der Mann dann raus zu uns und meinte, wir hätten ja keine Übersetzungen. Da sagten wir, das sei ja alles schon vom Botschafter in Deutschland bestätigt worden, weshalb wir keinen Anlass für Übersetzungen sahen. Das akzeptierte er zwar nicht, sah aber auch keinen Grund sich weiter mit uns zu unterhalten und ging wieder rein. Wir wusste nicht was nun war und klebten unsere Nase wieder an das Gitterfenster. Irgendwann gingen wir dann auch rein und drängelten uns wieder an den Tresen, bis man uns sagte, dass wir uns setzen sollen, weil wir noch nicht dran seien. Wir setzten uns also und warteten ungeduldig. Unfähig irgendetwas anderes zu tun als zu sitzen, zu gucken, zu warten und zu bangen. Inzwischen hatten wir aber in der Deutschen Botschaft in San José angerufen und gefragt, ob das stimmen kann, dass wir eine Übersetzung brauchen. Auch dort war man sich uneinig. Als wir dann endlich aufgerufen wurden, gegen 13 Uhr, sagte man uns, dass wir  wahrscheinlich noch Übersetzungen bräuchten und eine Menge anderer Sachen fehlen, unsere Akten jedoch erst einmal nach San José geschickt werden und die uns dann informieren. Wir fragten, welche Dokumente denn übersetzt werden müssten. Es betraf fast alle – weil alle zwar in Englisch waren, aber Spanisch sein müssen. Auch eine Seite des Passes müsste übersetzt werden. Ich hielt das zwar für eine ziemliche Unverschämtheit, wie waren aber froh, dass wir die Unterlagen erst einmal los waren und einen Zettel bekamen, auf dem stand, dass wir uns nun vorerst 90 Tage in Costa Rica aufhalten dürfen.

In der Zwischenzeit hatten wir außerdem eine offizielle Übersetzerin in San José angerufen und gefragt, wie teuer das Übersetzen ist und ob wir die Dokumente per E-Mail schicken könnten. Sie nimmt 15€ pro Seite und nimmt die Dokumente per Mail entgegen, verschickt dann die Übersetzungen per Post.

Außerdem hatte ich mit Veronica telefoniert, die mit mitgeteilt hatte, dass sie an diesem Tag nachmittags nach Liberia fahren würden, um Glas für die Schule schneiden zu lassen und, dass sie uns deshalb wieder mit zurück nehmen könnten. Wir waren ganz froh darüber, nicht noch einmal drei Stunden Bus fahren zu müssen und wurden deshalb gegen 15 Uhr von Steve, Veronicas Mann, abgeholt, nachdem wir noch für die nächsten Tage einkaufen waren.

Alles in allem ist es zwar immer noch überheblich zu behaupten, man wisse jetzt, wie sich Ausländer in Deutschland fühlen, aber zumindest kann man ein wenig nachfühlen wie es ist, wenn man nur oder noch nicht einmal eine “Nummer” ist und sich darum bemühen muss, überhaupt einmal wahrgenommen zu werden. Dass die Beamten hier bei dieser Hitze solche “Korinthenkacker” sein können, hätte wohl niemand vermutet, der bei “Costa Rica” oder “Lateinamerika” an “südländische Gelassenheit” denkt. Mir erscheint das alles der Deutschen Bürokratie und den mancherorts verständnislosen Beamten sehr ähnlich. Für diese hat Jan wohl aus beruflichen Gründen mehr Verständnis übrig….

 

3 Responses to Costaricanische Korinthenkackerei

  1. David

    Da sage nochmal jemand, wir hätten es so schlecht mit Bahn und Beamten in Deutschland ;)
    Die Geschichte erinnert mich an das “Haus, das Verrückte macht” aus “Asterix erobert Rom”, in dem sie Passierschein A38 holen sollen und fast verrückt werden.
    Da bin ich ja froh, dass ihr es nicht geworden seid ;)

    Liebe Grüße aus dem kalt-feuchten Potsdam

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