browser icon
You are using an insecure version of your web browser. Please update your browser!
Using an outdated browser makes your computer unsafe. For a safer, faster, more enjoyable user experience, please update your browser today or try a newer browser.

Von schlüpfenden Schildkröten

Posted by on 27. November 2013
Das kleine Wunder, eine Plastikflasche und ich

Das kleine Wunder, eine Plastikflasche und ich

Als am Anfang der Woche wieder einmal eine Familie mit ihren Kindern morgens schlüpfende Schildkröten am Schildkrötenstrand Ostional angeguckt hatte und es hieß, dass man noch mindestens 8 Tage welche sehen könnte, beschlossen wir, uns auch endlich mal auf die Reise zu begeben. Jan hat ja bereits von unserem Glück mit der „Turtle Lodge“ und von dem angerissenen Kettenglied erzählt. Er hat jedoch nicht davon erzählt, dass mich die Tatsache, dass es jeden Moment heißen könnte „Wir müssen schieben“ schon so fertig gemacht hat, dass ich nur noch mit Mühe und Not und Jans Hilfe beim Schieben, die Berge hoch gekommen bin.

Der erste freiwillige Stopp nach über 30km - im kleinen Fischerdorf Lagarto

Der erste freiwillige Stopp nach über 30km – im kleinen Fischerdorf Lagarto

Deshalb hab ich die Zeit, in der Jan unverständliche Sätze in sein Smartphone getippt hat, schlafend verbracht. Als wir dann wieder einigermaßen fit waren, begaben wir uns auf „Schildkrötenjagd“, wie so viele Touristen, Geier und Hunde – jedoch waren die Hunde und Vögel in der Überzahl, da nur einige wenige Gelege noch nicht geschlüpft waren. Diese spürten die Hunde auf und fraßen die Eier oder gar die kleinen Krötchen.

Die Geier beim Abendbrot

Die Geier beim Abendbrot

Auch die Vögel nutzten ihre Schnäbel um nach Eiern zu graben, die dann eifrig aufgepickt wurden. Wir versuchten die Hunde und Vögel von den Eiern fern zu halten, scheuchten sie fort, schütteten die Löcher zu und vergruben ein Ei. Der ganze Strand war übersäht mit Eierschalen, die übrigens sehr weich sind. Ein gewisser Prozentsatz (meist aus Gelegen der ersten drei Tage, die von folgenden Schildkröten zerstört würden) wird von der lokalen Schutzorganisation verkauft um sich damit zu finanzieren – wer legale Schildkröteneier probieren möchte, sollte daher nach Ostional kommen. Bevor wir also schlüpfende und lebende kleine Schildkrötchen zu Gesicht bekamen, mussten wir der Bedrohung dieses zarten Lebens unter dem Sand in die Augen blicken.

Die frisch geschlüpften Schildkröten watscheln in den Sonnenuntergang

Die frisch geschlüpften Schildkröten watscheln in den Sonnenuntergang

Pünktlich zum Sonnenuntergang um halb 6 sahen wir das erste winzige Etwas, mit Beinchen nicht fester und dicker als ein Stück Papier, ins Meer strampeln. Eine Einheimische hatte sie ausgebuddelt und brachte gleich noch ein paar mehr in die Nähe des Wassers. Obwohl auf einem Infoblatt in unserem Hotel stand, dass man die Schildkröten selbst den Weg von ihrem Ei bis zum Strand zurücklegen lassen soll, damit sich die Muskeln aufbauen und die Lungen entfalten, meinte sie, dass die kleinen Krötchen es kaum schaffen, sich auszubuddeln, weil die Eier teilweise sehr tief im Sand liegen und spätestens auf dem Weg zum Meer würden sie von Hunden und Geiern aufgefressen. In den ersten Tagen des Schlüpfens sind immer viele Freiwillige gesucht, die die Fressfeinde fernhalten. Da der Mensch eigenartigerweise den Drang hat diesem kleinen Leben zumindest bis ins Wasser zu helfen, fing also auch Jan an, ein Loch auszuheben. Tatsächlich waren schon mehrere Schildkröten auf dem Weg nach draußen erstickt, sodass Jan nur noch zweien helfen konnte, denen ich dann dabei zusah, wie sie bei Sonnenuntergang in Richtung Meer krauchten.

 

 

Sie sind so winzig und zart, dass ich mich die ganze Zeit fragte, wie sie das denn überhaupt schaffen, groß zu werden um nach 12 Jahren wiederzukommen und ihre eigenen Eier abzulegen. Wenn eine Welle die Krötchen mitriss, wurden sie entweder irgendwo anders wieder angespült, oder verschwanden im Meer – was zumindest für uns hieß, dass sie es vorerst geschafft haben. Wie anrührend es ist, diesen kleinen Wesen beim ersten Kopfheben und ihren ersten Schritten zuzusehen, könnt ihr vielleicht durch die Videos nachvollziehen.

Da es immer dunkler wurde, machten wir uns bald auf den Rückweg und mussten die Schildkröten zurück lassen. Da wir weder Schildkröteneier noch Hühnereier o.ä. essen wollten, fragten wir im Soda des Ortes nach Speisen ohne Fleisch. Ein „Soda“ ist hier so etwas wie ein Imbiss, wo man Frühstück, Mittag und Abendbrot bekommt und was es, so wie die Bar und die Pulpería, wohl in fast jedem größeren Ort gibt. Bei unserem ersten Besuch so eines Sodas bekamen wir also Reis mit schwarzen Bohnen und Salat, was wir hungrig verschlangen. In unserem Hotel fielen wir dann bald ins Bett, mit dem Vorhaben am nächsten Tag wieder um 5 aufzustehen um unsere Sachen zu packen, bei Sonnenaufgang noch einmal an den Strand zu gucken und um sieben den Bus nach Santa Cruz zu nehmen.

Playa Ostional - der Schildkrötenstrand

Playa Ostional – der Schildkrötenstrand

So spazierten wir Sonntag früh zum Strand, auch in der Hoffnung, vielleicht schon große, zur Eiablage kommende „Olive Ridley Sea Turtles“ sehen zu können. Doch leider war der Mond noch zu voll. Die Geier und Hunde suchten sich auch schon wieder oder immer noch ein Frühstück. Einige scheuchten wir fort, sodass wir noch eine Schildkröte, der ein Ärmchen fehlte, retten konnten. Während seine Schwester oder sein Bruder, der oder die zunächst überlebt hatte, nach einer turbulenten Welle ohne Lebenszeichen an Land gespült worden war, schaffte es die Dreibeinige aber zumindest ins Meer.

Das natürliche Gleichgewicht

Das natürliche Gleichgewicht

Unser Ausflug nach Ostional hat mir eines wieder einmal deutlich vor Augen geführt: Wo wir und andere Menschen die Natur der Hunde und Geier als Bösartigkeit verkennen, verharmlosen wir unseren eigenen schlechten Einfluss. Während die Hunde und Geier helfen die natürliche Balance aufrecht zu erhalten, ist der viele Plastikmüll am Meer nicht nur für die Schildkröten eine viel größere Gefahr. Es ist noch nicht mal sicher, ob es den Schildkröten letztlich hilft, wenn man sie ausbuddelt und näher zum Meer trägt und vor den Fressfeinden schützt. Sicher ist aber, dass die Menschen die Ökosysteme vor sich selbst schützen sollten. Dazu gehört unter anderem weniger Plastikmüll zu produzieren und überhaupt Ressourcenverschwendung vorzubeugen.

EIne willkommene Abkühlung nach den großen Bergen

EIne willkommene Abkühlung nach den großen Bergen

Schön und traurig zugleich sowie unglaublich eindrucksvoll war es, das Leben und Sterben am Schildkrötenstrand zu erleben. Mit einem bis oben hin gefüllten Herzen an Eindrücken und Empfindungen machten wir uns um 6:30 Uhr mit noch immer angerissener Kette auf den Weg zu unserem Zuhause – denn als wir ein paar Leute an der Straße fragten, wo die Bushaltestelle sei, wurden wir darauf hingewiesen, dass sonntags keine Busse um 7 Uhr fahren.

Glücklicherweise ging trotz zahlreicher Berge, zu durchquerender Flüsse und einem kühnen Abstecher zum Playa Junquillal auch die letzten 60 km nichts weiter zu Bruch, sodass wir gegen 13.30 Uhr vollkommen fertig ankamen.

2 Responses to Von schlüpfenden Schildkröten

  1. MuV

    Das ist ja wirklich genial – beeindruckend! Schön, dass ihr das erleben konntet! – und wir Euern schönen Bericht lesen!

    Lieb , Mutti

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>