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Das Visum V – the game

Posted by on 19. Februar 2014
Unser neuer Stempel

Unser neuer Stempel

Um es gleich vorwegzunehmen, auch unser dieswöchiger Besuch bei der Migrationsbehörde in Liberia hat uns dem Visum nicht wirklich näher gebracht. Dafür haben wir erneut einen Stempel bekommen, der uns nunmehr zu einem (letztmaligen?) Besuch in Liberia zwei Wochen vor Abflug einlädt. Zudem haben wir mittlerweile ausreichend Erfahrung sammeln können, um unseren Leser_innen die „Spielregeln“ der Migrationsbehörde in Liberia in ihren Grundzügen darlegen zu können:

Zumeist offenbaren sich die Regeln des Spiels „Migrationsbehörde“ den Antragsteller_innen (im Folgenden „Spieler_innen“ genannt) erst im Laufe des Spiels (die bisher von uns in Liberia absolvierten Spielrunden sind hier(1), hier(2) und hier(3) nachzulesen), sodass die folgende Zusammenstellung sicherlich noch nicht die gesamte Komplexität der Spielregeln wiedergibt, sondern lediglich eine erste Starthilfe für künftige Spieler_innen darstellen kann.
Aufgrund mangelhafter Kenntnisse des Autors über die Vorschriften, nach denen die Beschäftigten der Migrationsbehörde (im Folgenden „Spielleitung“ genannt) vorgehen, bitte ich zu entschuldigen, dass über die Aktivitäten der Spielleitung zumeist lediglich in spekulativer Form berichtet werden kann.

Spielvorbereitung:
Die Spieler_innen sammeln alle vorhandenen Unterlagen zusammen und organisieren je nach persönlichem Spielziel weitere Unterlagen. Dann begeben sie sich auf das „Startfeld“ vor der Migrationsbehörde in Liberia.

Spielbeginn:
Die Anordnung der Spieler_innen auf dem Startfeld erfolgt wahlweise in Schlangen- (Anfänger_innen), Trauben- (Fortgeschrittene) oder Schattenform (Profis). Dabei tauchen weniger erfahrene Spieler_innen meist schon deutlich vor um acht (dem offiziellen Spielbeginn) auf, um sich einen vorderen Platz in der Schlange zu sichern – erfahrene Spieler_innen erscheinen hingegen selten vor um acht.
Die Spielleitung pendelt anschließend unter notarieller Beobachtung den tatsächlichen Spielbeginn (meist zwischen um acht und halb neun) aus und öffnet dann ein kleines Türchen im Maschendrahtzaun, woraufhin sich alle anwesenden Spieler_innen in Traubenform auf dem Startfeld um das Türchen herum versammeln (nur die Profis genießen noch ein paar Momente den Schatten der Bäume bevor sie sich genau im richtigen Moment der Traube anschließen) – nun kann es losgehen.

Spielablauf:

Spieler_innen auf dem Hauptspielfeld

Spieler_innen auf dem Hauptspielfeld

Nach Öffnung des Türchens startet die Spielleitung mit dem Ruf „Pasaportes“ die 1. Spielrunde.
An dieser 1. Spielrunde (auch „Pass-Spiel“ genannt) dürfen nur costaricanische Staatsbürger_innen teilnehmen. Das erste Ziel ist es, den Teilnahmeantrag der Spielleitung vor Annahmeschluss zuzupassen. Alle Spieler_innen, denen das gelungen ist, dürfen sich anschließend in einer separaten Schlange auf dem Hauptspielfeld (umzäunter Hof der Migrationsbehörde) anstellen und werden nacheinander hereingebeten. Das Ziel der Spielrunde ist die Erwerbung eines Reisepasses – genauere Erkenntnisse über das Prozedere liegen dem Autor mangels Erfahrung nicht vor.

Erfolg in der 2. Spielrunde

Erfolg in der 2. Spielrunde

Hat die Spielleitung alle Anträge auf „Pass-Spiel“ eingesammelt, beginnt die 2. Spielrunde – das „Stempel-Spiel“, welches äußerst facettenreich gestaltet werden kann. Ähnlich dem „Pass-Spiel“ werden hierbei zu Beginn auf den Ruf „Trámites“ hin die Spielberechtigungskarten eingesammelt. Dann überträgt die Spielleitung die Nummern der Spielberechtigungskarten auf Loskugeln und eine auf das Gemeinwohl vereidigte Losfee zieht unter notarieller Aufsicht in einer ersten Runde alle „Sieger h“ – also alle Spieler_innen, die heute mit Vertreter_innen der Spielleitung in ein vertieftes Gespräch eintreten oder gar den Gewinn einer Aufenthaltsgenehmigung feiern dürfen. In einer zweiten Runde werden die „Sieger 30dh“, also alle die an der 2. Spielrunde in 30 Arbeitstagen teilnehmen dürfen, bestimmt. Anschließend erfolgt die Ziehung der „Sieger 45dh“, der „Sieger 60dh“ und der „Sieger 90dh“. Die Spielleitung vermerkt das Spielergebnis samt Stempel auf den Spielberechtigungskarten und schreitet zur Verlesung der Sieger auf dem Hauptspielfeld, welches mittlerweile für alle Spieler_innen geöffnet worden ist. Alle Spieler_innen der 2. Spielrunde versammeln sich nun in Traubenform um den/die aus dem Bürogebäude heraustretende_n Verlesende_n und versuchen vergeblich ihre Aufregung zu zügeln. Für uns sprang dieses mal eine „Rückkehr in 45 Arbeitstagen“ heraus, wenngleich ich länger warten musste als Tabea, da meine Loskugel wohl noch eine extra Runde bei den „Lucky Loosers“ gedreht hat, wenn auch ohne Erfolg. Je nach Spielergebnis hört man nun hier und dort einen kleinen Jubelschrei oder ein mürrisches Brummen, doch am Ergebnis lässt sich erst beim nächsten Be- bzw. Versuch etwas ändern. Das Stempel-Spiel endet, wenn man eine Aufenthaltserlaubnis erhält oder ausreist (hoffentlich – wir werden versuchen das in den nächsten Wochen in Erfahrung zu bringen).

Das Ziel der 3. Spielrunde - die "Spielberechtigungskarte"

Das Ziel der 3. Spielrunde – die “Spielberechtigungskarte”

Sind die Ergebnisse des Stempel-Spiels verkündet, so kann die 3. Spielrunde – das „Gedulds-Spiel“ – beginnen. Für diese Runde müssen die Spieler_innen keine besonderen Voraussetzungen erfüllen – nur geduldig müssen sie sein und einen Antrag auf Ausstellung einer Spielberechtigungskarte (AaAeSBK) bei sich haben. Die Spielleitung aktiviert nun für knapp 90 Minuten einen „Hot Button“. Immer wenn der Hot Button zuschlägt, wird die Tür zum Bürogebäude leicht geöffnet woraufhin die Teilnehmer_innen der 3. Spielrunde versuchen ihren AaAeSBK durch den Türschlitz bei der Spielleitung abzugeben. Kurz darauf schließt sich die Tür und alle die keinen Erfolg hatten, müssen darauf hoffen, dass der Hot Button bald wieder zuschlägt. Dieser Vorgang wiederholt sich bis um elf mehrfach. Dann ist Annahmeschluss und alle später eintreffenden Spieler_innen werden von der Spielleitung auf den nächsten Spieltag verwiesen. Alle, die mit der Abgabe erfolgreich waren, dürfen nun während der nächsten Stunden auf die Ausstellung einer Spielberechtigungskarte mit Einladung zur 2. Spielrunde in X Tagen hoffen.

Die Spielleitung geht nun in die Mittagspause, sortiert dann die verbliebenen Anträge der Teilnehmer_innen der 2. und 3. Spielrunde und ruft diese anschließend namentlich nacheinander zu einem kniffligen Spiel für 2-6 Personen auf, in dem die Spieler_innen die Chance bekommen ihr persönliches Spielziel zu erreichen.

Fazit: Für Neulinge mögen die Spielregeln kompliziert erscheinen (ist ja aber bei Skat oder Doppelkopf nicht anders) , doch eigentlich ist es ein schöner Spiel-Spaß für die ganze Familie, bei dem es nicht langweilig wird – auch wenn die Spieldauer etwas an Fernschach erinnert.

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