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Die Freuden des Alltags von A bis Z

Posted by on 5. April 2014
B wie Brüllaffe

B wie Brüllaffe

Heute möchte ich mal was zu den schönen Kleinigkeiten schreiben, die wir hier so erleben und nach unserer baldigen Rückkehr je nachdem mehr oder weniger vermissen werden. Von A wie Aufbruchstimmung bis Z wie Zusammen sein.

Aufbruchstimmung…
…ist bei einer erst seit zwei Jahren bestehenden Schule sicherlich normal, gibt einem aber das tolle Gefühl innerhalb kurzer Zeit viel bewegen zu können, wenngleich ungewiss ist wie nachhaltig das alles sein wird. Aber zumindest kann man sich in allen möglichen Dingen ausprobieren und es gibt kaum ausgetretene Pfade, denen man nachlaufen müsste. Vielmehr sind alle dankbar für die vielfältigen Erfahrungen, die jede_r hier zum Wohle der Schule einbringt.

Brüllaffen…
…wecken uns jeden Morgen zuverlässig gegen halb sechs. Am Wochenende empfinden wir das allerdings nicht ganz so vorteilhaft ;) Ansonsten ist es immer wieder eine Freude sie auf den Bäumen fressen und spielen zu sehen – was jetzt in der Trockenzeit mangels voller Baumkronen recht leicht möglich ist.

C wie Colón

C wie Colón

Colón…
…ist die Währung Costa Ricas und nach Christoph Kolumbus (spanisch: Cristóbal Colón) benannt. Auf den Vorderseiten fröhnen die Scheinchen zwar dem üblichen Personenkult, auf der Rückseite ist jedoch der einzigartige Artenreichtum Costa Ricas dargestellt – was wir als verbindendes Element für den Euro ebenfalls schöner fänden als Fantasiearchitekturen. Daran in (Zehn-)Tausendern zu bezahlen haben wir uns zwischenzeitlich gewöhnt – auch wenn wir es komisch finden, dass einige Supermärkte zum Teil Centpreise ausweisen, wo doch das kleinste Geldstück 5 Colón (etwa 0,7 Eurocent) ist und stark an die alten DDR-Alupfennige erinnert.

D wie Deutschunterricht

D wie Deutschunterricht

Deutschunterricht…
…war der erste und letztlich einzig dauerhafte Unterricht, den wir gegeben haben. Alle anderen Fächer wurden entsprechend dem waldorfschen Konzept immer nur in mehrwöchigen Blöcken unterrichtet. Letztlich werden es über fünfzig Unterrichtsstunden gewesen sein, in denen die Kinder erstaunliche Fortschritte gemacht haben. Förderlich war dabei sicherlich, dass wir kaum Vorgaben hatten und uns somit kreativ richtig austoben konnten, was den Schüler_innen und uns riesigen Spaß gemacht hat.

E wie Erfahrungen

E wie Erfahrungen

ErFAHRungen…
…sammeln war wohl eines unserer größten Hobbies hier. So haben wir uns größtenteils fahrend – egal ob trampend (was entgegen unserer Befürchtungen bisher immer gut gegangen ist), radelnd, im Bus oder mit (Privat-)Taxis – Costa Rica erkundet. Schließlich möchte man, wenn man schon mal die Möglichkeit hat acht Monate in einem anderen Land zu leben, auch möglichst viel davon mitbekommen.

Fahrradladen…
…in Villareal wurde für uns – da unsere preisgünstigen Räder regelmäßig erkrankten – ein häufiger Anlaufpunkt. Doch nicht nur wir, sondern auch zahlreiche Costa Ricaner hängen dort regelmäßig rum und reparieren gemeinsam mit dem Eigentümer Stahlrösser verschiedenster Güteklassen.

G wie Gärtnern

G wie Gärtnern

Gärtnern…
…im Schulgarten war eine von Tabeas Lieblingsbeschäftigungen. Neben kleineren Pflänzchen, die leider vielfach der Fresslust unserer Schulhühner zum Opfer fielen, ist es uns dabei sogar gelungen eine Kokosnuss sowie zwei Ananas anzupflanzen – bis die groß sind und Früchte tragen werden aber sicherlich noch mehrere Freiwilligengenerationen die Schule durchlaufen müssen.

Hilfsbereitschaft…
…ist etwas worauf man sich in Costa Rica wirklich verlassen kann. Als Deutscher, der das in dem Maße nicht gewohnt ist, kommt es einem nur manchmal so vor, als ob einem die Leute ihre Hilfe regelrecht aufschwatzen wollen. Allerdings ist Achtung geboten, wenn man bei den Leuten eine kleine Unsicherheit bemerkt – denn die Einheimischen geben lieber eine nicht hundertprozentig durch Wissen untermauerte Antwort als keine Antwort. Zwei- bis dreimal Fragen kann in diesem Fall nicht schaden :)

I wie Iguana

I wie Iguana

Iguanas…
…waren meine ständigen Bürogenossen, wenn ich tagsüber im ventilatordurchlüfteten Büro dem Papier- und Computerkram nachgegangen bin. Selbst nach dem Büroumzug haben sie sich im Dach des neuen Büros eingerichtet – wenngleich ich nicht sicher bin, ob es sich dabei nicht doch um verschiedene Exemplare handelte.

Job…
Der Job hier als Freiwilliger war so vielseitig wie man es in Deutschland nur in kleinen Unternehmen kennt: vom Marketing, über Buchhaltung bis hin zum Popo abwischen – vom Kinder verarzten, über allgemeine Organisationsaufgaben bis hin zu Hauslehrer- und Hausmeistertätigkeiten. Allein mit der Tätigkeitsbeschreibung könnte man einen eigenen A-Z-Artikel füllen. Dieser Abwechslungsreichtum lässt so etwas wie ein Alltagsgefühl im Job eigentlich gar nicht aufkommen.

K wie Kinder

K wie Kinder

Kinder…
…verlangen einem viel ab, geben aber viel mehr zurück und bereichern das Leben wahnsinnig. In den acht Monaten haben wir unsere Schützlinge richtig lieb gewonnen und werden diese wohl mit am meisten vermissen, wenn wir nach Deutschland zurückkehren. Egal ob es die morgendliche Belagerung unserer Fahrräder ist, wenn wir in die Schule kommen, das dauerhafte betteln, man möge doch bitte diese Hebefigur mit dem Kind ausführen oder jenes Spiel spielen. Gerade im Kindergarten, wo die Kinder noch in ihrer eigenen Fantasiewelt leben, ergaben sich zahlreiche Anekdötchen, die wir noch lange im Herzen behalten werden und welche uns wohl künftig sehnsüchtig auf die Zeit in Costa Rica zurückblicken lassen werden.

L wie Landleben

L wie Landleben

Landleben…
…habe ich zuvor nie wirklich kennengelernt, da ich meist in großen Städten gelebt habe. Gerade im Hinblick auf die Infrastruktur war es für mich daher eine neue Erfahrung – Busse die nur unregelmäßig fahren, Arzt und Kaufhalle erst im nächsten Ort, Labor und Behörden mit dem Fahrrad nicht wirklich erreichbar und Theater sowie andere Kultureinrichtungen meilenweit entfernt. So etwas ist sicherlich auch in einigen dörflichen Gegenden Deutschlands Realität. Doch die suboptimale Infrastruktur wird hier durch die atemberaubende Umgebung mehr als wett gemacht. Im Gegensatz zu Deutschland liegt hier nicht der Wald in der Kulturlandschaft, sondern die Kulturlandschaft im (Ur-)wald. So besuchen uns selbst in und vor der Wohnung immer mal Tiere, die sonst eigentlich die Nähe von Menschen meiden. Dazu trifft man bei Radtouren im Umland kaum Menschen, hat herrliche Ausblicke auf bewaldete Hügel und fühlt sich der Natur so noch intensiver verbunden.

Musik…
…begleitete uns hier ständig, da sich gegenüber der Schule eine Bar befindet, in welcher scheinbar jeden Nachmittag dieselbe CD abgespielt wird. Da es sich dabei aber um Musik einer regionalen Band handelt, blieb es uns bislang leider verwehrt einen entsprechenden Tonträger käuflich zu erwerben. Doch da unsere Nachbarn den Musikgeschmack des Barbesitzers teilen, werden entsprechende Entzugserscheinungen wohl erst nach unserer Rückkehr einsetzen.

Nachbarn…
…und Kolleg_innen (was teilweise die gleichen Personen sind) werden wir wohl sehr vermissen. Wenige Meter bis zum Babysitten, zum Krankenfahrer oder zur Deutschunterrichtsbesprechung, Gespräche auf dem Gang zur Skorpionbekämpfung und diverse Leute aus der Gemeinde die uns bei unseren regelmäßigen Fahrradfahrten von verschiedenen motorisierten Verkehrsmitteln aus anhupen und winken (natürlich insbesondere wenn Kinder aus der Schule dabei sind, die es sich oft nicht nehmen lassen uns aus dem Fenster heraus noch einen Gruß hinterher zu rufen).

Obst…
…gibt es hier in vielen Formen und Farben – zudem ist alles auch noch regional und saisonal. In Deutschland wird es wohl sehr schwer werden regionale Ananas, Papaya, Bananen, Netzmelonen etc. zu beziehen.

P wie Pferde und Kühe

P wie Pferde und Kühe

Pferde und Kühe…
…laufen hier überall herum. Jeden Morgen kommen wir an großen Weideflächen vorbei, wo uns insbesondere die Kühe aus ihren großen Augen angucken – was, wenn sie nicht gerade die Straße versperren und man sich auf dem Fahrrad entsprechend unwohl fühlt, wirklich eine schöne Art ist den Tag zu beginnen. Häufig begegnet einem auch ein Huhn oder ein Schwein, das ganz ruhig über die Straße wackelt. Es scheint, dass die lebensunwürdigen Haltungsbedingungen, die in den meisten deutschen Tierfabriken herrschen, hier unvorstellbar sind.

Quatsch machen…
…ist, wenn man mit Kindern arbeitet, essentieller Bestandteil des regelmäßigen Tagesablaufes. Zwar kommt das bei gutem Arbeitsklima auch im Büroalltag regelmäßig vor, aber auf Arbeit als „Monster“ rumlaufen erscheint dann vielleicht doch nicht so angebracht. Doch wir haben ja ausreichend Nachwuchs in der Familie, der solche Anwandlungen eventuell zu schätzen weiß :)

R wie Resteverwertung

R wie Resteverwertung

Resteverwertung…
…ist hier nicht immer einfach. Denn außer einer Verpackungs- und zwei Restmülltonnen besteht hier keine Möglichkeit zur Mülltrennung – viele Einheimische verbrennen den Müll sogar gleich im Garten. Daher legen wir ausgewählten Biomüll manchmal neben die Terrasse, worüber sich dann eine Katze, die hin und wieder bei uns vorbeikommt, aber vor allem Blattschneideameisen freuen, welche wir dann beobachten, wie sie Fruchtstückchen zerteilen oder einzelne Reiskörner abtransportieren. In der Schule haben wir ja inzwischen zwei Komposthaufen installiert, die dann hoffentlich in nicht allzu ferner Zukunft Erde für die Beete hervorbringen. Derzeit düngen wir gemäß dem Hinweis eines Vaters erstmal mit in Wasser aufgelöstem Hühnerkot – na mal schauen, was das wird.

Strandausflüge…
…sind bei den hiesigen Temperaturen und einigen hier grassierenden Hautkrankheiten mindestens einmal die Woche ein Muss. Luxus ist es wenn wir am Wochenende unsere Hängematte aufspannen, dazu ein gutes Buch in der lesen und gelegentlich die überall herumkreuchenden Strandtierchen beobachten können.

T wie Türknäufe

T wie Türknäufe

Türknäufe…
…sind hier ähnlich denen, die es in den USA gibt. Der Vorteil (und bei Schlüsselvergessen natürlich auch Nachteil) ist, dass man die Türen ohne Schlüssel abschließen kann. Da man die Türen in deutscher Schließrichtung jedoch auf- statt zuschließt, war es am Anfang schon eine Hilfe nicht nochmal nachprüfen zu müssen, ob man nun tatsächlich zu- und nicht aufgeschlossen hat.

U wie Umweltschutz

U wie Umweltschutz

Umweltschutz…
…oder zumindest die Hinweise darauf sind hier sehr viel weiter verbreitet als in Deutschland – schließlich hatten wir über die großflächigen Nationalparks und den Öko-Tourismus bereits ausführlich berichtet. Teilweise hat man hier auf dem Land jedoch das Gefühl, dass der Umweltschutz eher von oben verordnet ist und primär die positiven wirtschaftlichen Auswirkungen des Öko-Tourismus interessieren als tatsächlich der Schutz der Umwelt – wie die kreative Beseitigung von Müll und Abwasser hier immer wieder zeigt. Auf der anderen Seite haben wir auch schon andere Erfahrungen gemacht – bspw. hat die staatliche Schule in Villareal kürzlich die Schüler zu Recycling-Kunst-Projekten aufgerufen, wozu Tabea den Sohn der Köchin mit den bei uns anlässlich des Weihnachtsmarktes umgesetzten Bastelideen ausgestattet hat. Wahrscheinlich kommt es ebenso wie in Deutschland darauf an, in welchen Kreisen man verkehrt. Und wenn man bedenkt, dass hier einige Leute echt zu knappsen haben, dann sind 15 EUR Müllgebühren im Monat wahrscheinlich nicht für jeden so einfach zu beschaffen. Auf der anderen Seite ist der durch gedankenlosen Tourismus entstehende Müll unentschuldbar. Denn leider sind einige “Öko-Touristen” doch nur daran interessiert wilde Tiere zu sehen und machen sich kaum Gedanken um deren Lebensräume.

Visabeantragung…
…war nur Spaß ;) Und ganz ohne bürokratische Abenteuer werden wir ja auch in Deutschland nicht auskommen müssen.

W wie Waschmaschinensound

W wie Waschmaschinensound

Waschmaschinensound…
Beim Anschalten gibt die Waschmaschine regelmäßig die ersten Töne des bekannten Titelsongs von „La Boum“ von sich. Leider ist die Wäsche selbst nicht nur unromantisch, sondern sogar ruppig, sodass wir bereits mehrere Löcher in verschiedenen Textilien unser eigen nennen können (denn der Bilanzprofi weiß – ein Loch kann ein Wirtschaftsgut sein).

Xtreme Hitze…
…ist Freud und Leid in einem. Denn einerseits ist es schön auf warmes, trockenes Wetter bauen zu können und gerade bei Wochenendreisen nicht haufenweise Regen- und Winterklamotten mitschleppen zu müssen. Andererseits ist das beständige Saunafeeling natürlich auch anstrengend und so richtig dynamisch wie in der gemäßigten Klimazone fühlt man sich nur selten. Aber für die acht Monate haben die positiven Aspekte überwogen – zumal wir so eine nie erwartete Sehnsucht nach Regenwetter entwickelt haben :)

Yoga…
…bringt einen hier jeden Freitag früh nochmal richtig in Schwung bevor man den letzten Tag der Woche beginnt. Künftig wird das wohl die morgendliche Fahrradfahrt zur Arbeit leisten müssen, welche sicherlich länger ausfällt als die paar Minuten, die wir hier zu radeln haben.

Zusammen sein…
…konnten Tabea und ich hier quasi den ganzen Tag, was uns aufgrund unserer unterschiedlichen beruflichen Orientierung, ansonsten nur am Wochenende und im Urlaub vergönnt ist. Diesem Luxus werden wir wohl sehr nachtrauern.

Doch wenn wir wieder da sind, können wir Euch sicherlich auch mindestens 26 Gründe aufschreiben, warum wir dennoch froh sind wieder in Deutschland zu sein ;)

One Response to Die Freuden des Alltags von A bis Z

  1. MuV

    Schön zu lesen! – und Du hast das schönere Kühe-Foto!
    Und bei Deinem “S-Beitrag” hatte ich spontan die vielen Einsiedler-Krebse um die Bananenschale (?)vor Augen.

    Dr. F. hat uns am WE Bilder vom Island-Urlaub und seiner China-Reise/ Hongkong gezeigt – Kontrastprogramm pur…

    LG; Mutti

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